Wie alt werden Bäume?

Foto: L. Steinacker

Wichtige Begebenheiten der letzten Jahrhunderte, beispielsweise die Geburt Ludwig van Beethovens, kennen wir nur aus den Geschichtsbüchern. Es gibt aber Lebewesen, die diese und noch viel ältere Ereignisse miterlebt haben: die Bäume. Wie alt Bäume werden können und welche Faktoren ihr Alter bestimmen, erklärt uns Dr. Joachim Hamberger, Mitarbeiter der Staatlichen Führungsakademie für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Bäume können ein recht hohes Alter erreichen. Einzelne Exemplare überdauern Jahrhunderte, ab und an sogar ein ganzes Jahrtausend. Wie alt ein Baum wird, hängt ganz wesentlich von der Baumart ab. Weitere Faktoren sind Standort, Wasserversorgung und Nährstoffversorgung. Entscheidend sind auch äußere Einflüsse: So haben Stadtbäume aufgrund der Emissionen eine deutlich geringere Lebenserwartung als ihre Verwandten in Wald und Feld.
Fichten können bei uns bis 300, Tannen bis 600 und Linden, Eichen und Eiben sogar bis zu 1.000 Jahre und älter werden. Der älteste Baum der Welt ist eine Fichte. Sie steht in Schweden und ist etwa 10.000 Jahre alt. Sie begann zu wachsen, als die letzte Eiszeit gerade zu Ende ging. Aber auch in Bayern gibt es überall sehr alte Bäume. Beispiele dafür sind der Eichhall im Spessart mit fast 450 Jahre alten Eichen, die mächtigen alten Tannen im Hans-Watzlig-Hain im Bayerischen Wald oder die am Stammfuss fast einen Meter breiten Schaufelbuchen bei Rauhenebrach im Steigerwald.
Aber wie kann man das Alter von Bäumen bestimmen? Eine Methode wäre natürlich, den Baum um zuschneiden und dessen Jahrringe zu zählen – keine sehr sanfte Art. Heute gibt es dafür durchaus schonendere Methoden. Am einfachsten aber auch ungenauesten ist eine Schätzung mit Hilfe von Tabellen. Diese Variante ist allerdings nur auf Jahrzehnte genau. Daneben gibt es die Bohrkernentnahme, bei der ein Bohrkern entnommen und daran die Jahrringe gezählt werden. Zum Baumalter führt auch eine Widerstandsmessung mittels eines Resistographen und theoretisch geht es auch noch mit der Radiokarbon-Methode, die allerdings sehr aufwändig und teuer ist.
Auch ohne diese vielfältigen Möglichkeiten haben die Menschen schon immer gewusst: Bäume können vieles überdauern und sehr alt werden. Kein Wunder, dass sie in der Mythologie verschiedener Völker, beispielsweise der Germanen, eine herausragende Rolle spielen! Der Baum greift mit seiner Krone in den Himmel, mit seiner Wurzel in den Boden und stellt so eine Verbindung zwischen Himmel und Erde dar.

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