Was ist ein Biotopbaum?

abgebrochene Buche mit Pilzkonsolen im Winterwald

Biotopbäume sind Lebensräume für zahlreiche Tiere, Pflanzen und Pilze (Foto:: C. Schwab).

Sie entsprechen nicht dem landläufigen Idealbild des Waldes, sind oft krumm und schief, haben Fauläste und Spechthöhlen. Was es mit diesen Biotopbäumen auf sich hat und warum Waldbewirtschafter sie erhalten und fördern sollten, erklärt uns Ulrich Mergner, Leiter des Forstbetriebs Ebrach der Bayerischen Staatsforsten.

Biotopbäume sind von enormer ökologischer Bedeutung. Diese Bäume werden nicht mehr wirtschaftlich genutzt, dürfen eines natürlichen Todes sterben. Dann kommen sie in die Zerfallsphase, in der sie besonders interessant sind für die Artenvielfalt in Wäldern. Sie sind Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Pilze, sie sind Nahrungsquelle für beispielsweise Larven und haben eine ganz zentrale Bedeutung für die Biodiversität in Wäldern. Die Artenvielfalt braucht gerade diese scheinbar unattraktiven, ungepflegten Exemplare, einen „unaufgeräumten“ Wald mit viel Totholz und Biotopbäumen.
Daher lassen Förster bei der Waldbewirtschaftung solche Biotopbäume bewusst stehen. Sie werden im Rahmen des Holzauszeichnens markiert. Es gilt das Prinzip „Nutzen und Schützen“: Genutzt werden die Bäume, die mit ihrem geraden Wuchs und astfreien Holz einen hohen Wert für den Menschen haben. Für die Artenvielfalt bleiben die Bäume stehen, die mit ihren Höhlen und ihrer meist minderen Holzqualität für den Menschen weniger, für Holzbewohner aber umso mehr interessant sind. Die in der Regel mit Wellenlinien oder Spechtsymbolen markierten Biotopbäume bleiben dauerhaft im Wald stehen. Über die Jahre wird aus ihnen zunächst stehendes, dann liegendes Totholz. Sie werden von der Artenvielfalt nach und nach zersetzt, bis in ihre ursprünglichen Bestandteile. Aus Biotopbäumen entsteht letztendlich ein ganz wertvoller Waldboden.
Nur bei Gefahr für Waldbesucher oder Waldarbeiter werden diese Bäume beseitigt. Zudem sind Waldschutzaspekte zu beachten. So kann man Fichten dann nicht als Biotopbaum stehen lassen, wenn die Gefahr eines Borkenkäferbefalls droht. Ist die Fichte aber schon trocken und der Borkenkäfer schon ausgeflogen, kann sie getrost zum Biotopbaum werden. Aber die im Mittel- und Hochgebirge heimische Fichte hat außerhalb ihres Ursprungsgebietes weniger Lebensraum für die Artenvielfalt zu bieten als die Flachlandbaumarten. Buche, Eiche, Ahorn, Esche und andere Laubhölzer sind hier eigentlich zu Hause und tragen auch die Artenvielfalt dieser Region.
Bei der Waldpflege wurden bisher gerade die krummen, buckligen, astigen, zwiesligen Bäume entnommen. Das sind aber die Exemplare, die später die besten Biotopbäume werden. Denn stirbt ein Starkast ab, entsteht ein Zugang ins Holz, wodurch große Mulmhöhlen entstehen können – ein außerordentlich seltenes Habitat. Hinsichtlich der Biotopbäume sollte gerade in der Buche daher bei der Pflege eine positive Auslese erfolgen. Den für die Holznutzung interessanten Baum schnell dick zu bekommen ist das Ziel. In den Zwischenfeldern dieser für uns interessanten Bäume können sich dann die Biotopbäume entwickeln. Die Frage ist, wie ein Baum, der im Alter eine Spechthöhle hat, in jungen Jahren aussieht. Denn dann müssen wir ihn schon schützen.
Abgebrochene und vom Specht durchlöcherte, starkastige und von Pilzen befallene Bäume oder auch uralte Bäume – sogenannte Methusalems – sollten also regelmäßig in unseren Wäldern zu finden sein. Diese Biotopbäume sind wichtiger Lebensraum für zahlreiche Waldbewohner und wichtige Elemente im Waldnaturschutz.

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