Fremdländer im Klimawandel – die Esskastanie

Reife Esskastanien im Fruchtbecher

Maronen sind die Nüsse der Esskastanie (Foto: Andrejj, wikipedia).

Heiße Maronen – die hat jeder von uns schon mal gesehen; die meisten haben auch schon welche versucht. Aber wo kommen diese Früchte her? Es sind die Nüsse der Esskastanie. Ein Baum, der bei uns in Deutschland derzeit nur punktuell zu finden ist. Aber das könnte sich ändern, meint Dr. Manfred Schölch. Er lehrt Waldbau und Waldwachstum an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.

Die Esskastanie, oder auch Edelkastanie, ist ein Laubbaum, der 20 bis 30 Meter hoch werden kann. Ihre graubraune Borke mit Längsrissen erinnert an die der Linde oder Eiche. Die 20 Zentimeter langen Blätter sind elliptisch bis lanzettlich und haben einen deutlich gezähnten Rand. Die glänzenden, dunkelbraunen Früchte der Esskastanie wachsen in fein stacheligen Fruchtbechern heran. Die Nüsse sind leicht zusammengedrückt, also nicht ganz rund. Der hohe Stärkegehalt macht die Früchte sehr nahrhaft. Nicht verwechseln sollte man die Nüsse allerdings mit denen der Rosskastanie.
Die Esskastanie – wissenschaftlich Castanea sativa – stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Dort wurde sie schon von den Römern in der Antike angebaut. Die Römer waren es vermutlich auch, die diese Baumart über die Alpen zu uns gebracht haben. Heute findet man Esskastanien in Deutschland überall dort, wo es sehr warm ist. Oft sind das Weinbaugebiete, beispielsweise am Oberrhein, in der Pfalz, an der Mosel oder am Untermain. Im Klimawandel wird sich diese klimaplastische Baumart wahrscheinlich sogar weiter ausbreiten.
Das dürften Waldbesitzer begrüßen, denn die Esskastanie ist auch wirtschaftlich interessant. Zum einen hat sie ein sehr schnelles Jugendwachstum. Sie kommt mit trockenen, ärmeren Böden gut zurecht. Das Holz der Esskastanie ist sehr gefragt und vielseitig anwendbar: für Zäune, Lawinenverbauungen, Fassdauben, Pfähle oder Möbel. Um qualitativ hochwertiges Holz zu erhalten, muss die Esskastanie stark durchforstet werden. Ein gleichmäßiger Jahrringaufbau ist wichtig, da die Baumart zur Ringschäle neigt.
Auch naturschutzfachlich ist die Esskastanie eine besondere Baumart: An ihr sind etwa 1.000 Käferarten zu finden; Flechten und seltene Moosarten, die teilweise schon als verschollen galten, konnten an ihr nachgewiesen werden. Von diesen Besiedlern machen ihr aber auch welche zu schaffen, beispielsweise die Esskastanien-Gallwespe. Als weitere Krankheiten der Esskastanie sind noch der Kastanienrindenkrebs und die Tintenkrankheit nennenswert.

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