Die Fichte – Baum des Jahres 2017

Die frischen Fichtentriebe setzen sich mit ihrem hellen Grün deutlich von den dunkelgrünen älteren Nadeln ab (Foto: C. Schwab).

Die häufigste Baumart Deutschlands – die Fichte – ist der Baum des Jahres 2017. Picea abies ist für die einen der bayerische „Brotbaum“, für die anderen der Problembaum im Klimawandel. Was alles in der Fichte steckt und wie ihre Stellung im Wald künftig aussehen könnte, erzählt uns Wolfgang Sailer, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Augsburg. 

Kochlöffel, Dachstuhlbalken, Maibäume, Stradivari-Geigen – ihr Holz stammt häufig von der Fichte. Selbst der viel besungene Tannenbaum war zu jener Zeit meist eine Rotfichte. Picea abies hat glänzend-grüne, spitze Nadeln. Sie kann über 50 Meter hoch werden, ist kegelförmig – in den Hochlagen eher schlank. Typisch ist auch die rötlich-braune, im Alter graue, feinschuppige Rinde. Im Gegensatz zur Tanne hat die Fichte nach unten hängende Zapfen, die sie im Ganzen abwirft und wir dann am Boden finden können.
Der Nadelbaum hat geringe Ansprüche an die Nährstoffversorgung, verträgt aber keine kalkhaltigen Böden. Die Fichte stammt aus dem feucht-kühlen und winterkalten Kontinental- und Gebirgsklima Europas ist daher – und auch weil sie ein Flachwurzler ist – anspruchsvoll bei der Wasserversorgung. Feuchtigkeit, Nässe, Niederschläge sind wichtig, da die Baumart oft nur einen Meter tief wurzelt und aus dieser Schicht das Wasser saugt. Sie bevorzugt frische Standorte mit gut durchlüfteten Böden; für staunasse Standorte ist sie ungeeignet. Spätfröste können der Fichte wenig anhaben. Vor allem in der Jugend ist sie jedoch schneebruchanfällig. Das stellt in Lagen von 400 bis 600 Metern Höhe zum Spätwinter ein gewisses Risiko dar. Daneben sind längere Trockenheit und Hitze der Fichte abträglich. Hohe Windgeschwindigkeiten können den Flachwurzler leicht umwerfen oder auch umbrechen. Wetterbedingte Vorschädigungen machen die Fichte generell weniger vital. Die Folge ist ein erhöhtes Befallsrisiko durch Borkenkäfer und andere Schädlinge.
Der Aufwind der Fichte begann, als die bei uns natürlich vorkommenden Laubwälder im späten Mittelalter weitgehend ausgeplündert waren. Die Fichte entwickelte sich zum attraktiven „Brotbaum“ aus verschiedenen Gründen: Zum einen samt sich die Fichte von Natur aus sehr leicht aus zum anderen ist sie widerstandsfähig gegen Frost und dabei vor allem die Spätfröste. Damit konnte sie sich in unseren Wäldern immer stärker durchsetzen. Hinzu kommt, dass der Nadelbaum einen hohen wirtschaftlichen Wert für die Waldbesitzer aber auch für die Gesellschaft in Form von Bau- und Nutzholz in jeder Form hatte und hat.
Erst mit den eher negativen Auswirkungen des Klimawandels für die Fichte ist diese Baumart in unseren Wäldern rückläufig. Durch Waldumbaumaßnahmen hin zu mehr Mischwald ging der Fichtenanteil von 60 auf heute etwa 40 Prozent der Waldfläche Bayerns zurück. Gerade auf kritischen Standorten sind Waldbewirtschafter aber gut beraten, die Fichte mit klimatoleranteren Baumarten zu mischen. Die Fichte kann uns aber im Klimawandel auch helfen: Der Kohlenstoffspeicher Wald entzieht der Luft das Treibhausgas CO2 – eine Tonne je Kubikmeter Holz. Ein Fichtenbestand besitzt etwa die doppelte Wuchsleistung wie ein Buchenbestand; damit entzieht ein Fichtenwald der Luft verglichen mit einem Buchenwald auch die doppelte Menge an CO2 und speichert diese im Holz. Diesen Aspekt sollte man nicht überbewerten, ihn aber auch nicht vergessen.

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