Was ist die Mykorrhiza?

Foto: C. Schwab

Pilze sind weder Pflanze noch Tier sondern bilden ein eigenes Reich. Der Volksmund meint mit „Pilz“ meist den Fruchtkörper, den sichtbaren Teil an der Oberfläche. Der eigentliche Pilz, ein Geflecht aus Pilzfäden im Boden, geht häufig eine Symbiose mit unseren Waldbäumen ein, die sogenannte Mykorrhiza.

„Mykorrhiza“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Pilzwurzel“. Im Boden verbindet sich das Pilzgeflecht mit den Feinwurzeln der Bäume. Dadurch ist ein Austausch möglich, bei dem der Pilz den Bäumen Wasser liefert und im Gegenzug dafür etwas erhält, das der Pilz nicht selbst herstellen kann: Zucker. Ein gegenseitiges Geben und Nehmen zum Vorteil beider Partner. Mehrere tausend Arten gehen diese Symbiose ein. Es gibt dabei Pilze und Bäume, die sich sehr gut „miteinander verstehen“: Goldröhrling und Lärche, Birkenröhrling und Birke, Fichten-Reitzker und Fichte. Rund ein Drittel der Pilze in unseren Wäldern sind Mykorrhiza-Pilze, darunter viele Speise- aber auch giftige Pilze.
Die Mykorrhiza ist für den Wald von großer Bedeutung – besonders an Extremstandorten oder auch in Anbetracht des Klimawandels: Zum einen dient die Mykorrhiza dem Baum als Vervielfachung seiner Wurzeloberfläche und zum anderen kann die Mykorrhiza Bereiche im Boden erschließen, die die Wurzel selbst nicht erreichen kann. Denn die Pilzfäden sind um ein Vielfaches feiner und filigraner als die Wurzeln der Bäume. Das ermöglicht dem Baum nicht nur ein wesentlich besseres Wachstum, sein Überleben ist auch in Stresszeiten, beispielsweise Trockenphasen, gesichert, die der Baum möglicherweise ohne diesen Pilz nicht überstehen könnte.
Die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Pilz und Baum ist ein empfindliches System: geht es einem der Partner schlecht, leidet auch der andere darunter. So bilden Mykorrhiza-Pilze nach einem Windwurf oder Holzeinschlag erst mal keine Fruchtkörper mehr – die dafür notwendigen Kohlenhydrate des Baumes stehen dem Pilz nicht mehr zur Verfügung. Um die Mykkorhiza zu fördern, können Waldbesitzer verschiedene Baumarten anpflanzen bzw. erhalten. Denn je mehr Baumarten in einem Wald sind, desto mehr Mykorrhiza-Pilze können mit ihnen zusammen leben. Dichte und dunkle Bestände sollte durchforstet werden. Danach gelangt mehr Licht und Wasser auf den Waldboden, was der Mykorrhiza gut tut. Kahlschläge sollten vermieden werden, ebenso wie Bodenbearbeitung, flächige Befahrung und natürlich der Einsatz chemischer Mittel.
Pilze bestehen also in erster Linie aus dem Myzel im Boden. Das kann enorme Ausmaße annehmen: Es gibt Pilze, die fünf Hektar groß oder zehn Tonnen schwer sind. Pilze gehören zu den größten aber auch zu den ältesten Lebewesen auf unserem Planeten. Viele von ihnen bilden eine sensible Symbiose mit Bäumen. Ob der Wald ohne Pilze leben könnte, lässt sich nicht ohne weiteres beantworten. Sie spielen aber im Wald eine sehr wichtige Rolle – bei der Humusbildung, der Wasser- und Nährstoffaufnahme der Pflanzen und bei deren Stressresistenz.

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