Naturwaldreservate – Urwälder von morgen

Foto: M. Feulner

Sie sind unterschiedlich groß, über ganz Bayern verteilt und weitestgehend sich selbst überlassen: Naturwaldreservate. In diesen Schutzgebieten wird der Wald nicht mehr bewirtschaftet, er kann sich ungestört von menschlichen Eingriffen entwickeln. So entstehen hier die Urwälder von morgen. Aber die Naturwaldreservate liefern uns auch wichtige Erkenntnisse, wie Markus Blaschke weiß. Er ist Mitarbeiter in der Abteilung Biodiversität, Naturschutz, Jagd der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft und dort zuständig für die Naturwaldreservate.

In den Naturwaldreservaten ist der Wald sich selbst überlassen. Hier wird keine Forstwirtschaft mehr betrieben, die Natur kann sich frei entwickeln. Solche Naturwaldreservate gibt es in ganz Bayern. Sie sollen möglichst alle in Bayern vorkommenden Waldgesellschaften repräsentieren, sowohl Extremstandorte wie beispielsweise Schluchtwälder, als auch großflächig vorkommende Wälder wie Buchenreservate. Erste Ansätze der Naturwaldreservate reichen bis ins neunzehnte Jahrhundert zurück, 1914 wurden Schongebiete im bayerischen Staatswald ausgewiesen und aus der forstlichen Nutzung genommen. Vor über 30 Jahren wurden dann offiziell die ersten Naturwaldreservate im bayerischen Staatswald eingerichtet, damit sich dort wieder urwaldartige Strukturen entwickeln können. Die Anzahl der Reservate stieg bis heute kontinuierlich an, so dass es heute über 160 Naturwaldreservate mit einer Gesamtfläche von mehr als 7.000 Hektar in Bayern gibt. Die Naturwaldreservate sind durchschnittlich 45 Hektar groß. Sie befinden sich meist im Staatswald, fünf aber auch im Kommunalwald und sogar eines im Privatwald.
Naturwaldreservate dienen aber nicht nur dem Naturschutz. Sie spielen auch eine Rolle für Wissenschaft und Forschung, sind hervorragende Feldlaboratorien. Hier kann die natürliche Entwicklung verschiedener Waldtypen erforscht werden. Hier kann beobachtet werden, wie sich Wälder ohne den Einfluss des Menschen entwickeln. Die Ergebnisse – beispielsweise bei der Frage welche Baumarten sich auf welchen Standorten durchsetzen – können dann für einen naturnahen Waldbau genutzt werden.
Die Naturwaldreservatsforschung konnte beweisen, dass ohne menschliche Eingriffe die Buche in Bayern die dominierende Baumart wäre. In Naturwaldreservaten wird ersichtlich, welche Pflanzen, Insekten, Schnecken und Pilze in diesen natürlichen Wäldern eine Bedeutung haben. Gerade im Klimawandel sind diese Ergebnisse wichtig. Hier kann man erkennen, wie sich durch die Temperaturerhöhung die Verbreitung einiger Arten verändern wird.
Die Spuren der ehemaligen menschlichen Nutzung sind in den Naturwaldreservaten auch heute noch sichtbar. Die Wälder in diesen Schutzgebieten werden weiterhin nicht mehr bewirtschaftet, aber beobachtet werden.

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