Neobiota

Indisches Springkraut

Das Indische Springkraut ist einer der Neophyten, die sich bei uns etablieren konnten (Foto: C. Schwab).

Waschbär, Indisches Springkraut oder Tulpenbaum – sie haben etwas gemeinsam: Sie alle sind Neobiota. Was Neobiota sind, welche Arten beispielsweise dazu gehören und was sie für unseren Wald bedeuten erklärt uns Olaf Schmidt, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.

Schon die Römer haben fremdländische Pflanzenarten in Mitteleuropa eingebracht: die Edelkastanie oder die Walnuss. Seit Christoph Columbus 1492 Amerika entdeckte breiten sich sowohl gezielt als auch unbeabsichtigt Tier- und Pflanzenarten bei uns aus, die hier ursprünglich nicht beheimatet sind: die Neobiota. Die werden nochmals unterteilt in Neozoen – bei uns neue Tierarten, Neophyten – bei uns neue Pflanzenarten und Neomyceten – bei uns neue Pilzarten.
Ein bekannter Neozoe ist der Waschbär. Er plündert zwar ab und an Mülltonnen und nistet sich im Gebälk des einen oder anderen Einfamilienhauses ein, stellt aber für den Wald kein Problem dar. Ganz anders gefährliche Quarantäneschädlinge, wie der Asiatische Laubholzbockkäfer, der Citrusbockkäfer und die Japanische Esskastanien-Gallwespe. Ein Neophyt ist das Indische Springkraut, das sich an Wasserläufen invasiv ausbreitet. Doch für neue Pflanzenarten ist es schwierig in festgefügte Pflanzengesellschaften, wie es unsere Wälder überwiegend sind, einzudringen. Die Wälder sind gegenüber Neophyten relativ widerstandsfähig. Daher gibt es bei uns nur wenige krautige Pflanzenarten, die Eingang in unsere Wälder gefunden haben. Dennoch haben sich einige der fremden Pflanzenarten bei uns im Forst schon zu gut integriert, darunter die Spätblühende Traubenkirsche, die Kanadische Goldrute, der Amerikanischer Sonnenhut oder die Große Telekie. Grundsätzlich hat sich unsere mitteleuropäische Pflanzen- und Tierwelt seit der letzten Eiszeit gegenüber Neubesiedlern als sehr widerstandsfähig erwiesen. Allerdings gibt es ökonomische Schäden: Die Ulme wurde durch einen eigeschleppten Pilz zurückgedrängt, die Esche durch das Eschentriebsterben, der Ahorn könnte Schäden erleiden, wenn sich der Asiatische Laubholzbockkäfer etabliert. Unangenehmer sind aber die gesundheitlichen Schäden durch Neophyten: Der Saft des Riesenbärenklaus kann Hautreizungen verursachen, die Pollen der Beifußblättrigen Ambrosie wirken sehr allergen.
Neobiota können zum Problem werden, wenn sie sich aggressiv und invasionsartig ausbreiten. Dann werden sie zur Konkurrenz oder zu Fressfeinden für einheimische Arten. Zudem können sie neue Krankheiten einschleppen. Mit Blick auf Globalisierung und Klimaerwärmung müssen diese Entwicklungen genau beobachtet und für die Zukunft eingeschätzt werden. Als Faustregel gilt die sogenannte Zehnerregel: Von 100 neuen Arten können sich zehn Prozent etablieren; von diesen sind wiederum zehn Prozent – also nur eine Art – invasiv und diese kann örtlich Probleme bereiten. Viele Ängste sind also unbegründet. Das sieht man auch an vielen unserer wichtigen Kulturpflanzen. Kartoffel, Tomate oder Sonnenblume sind alles Arten, die es früher bei uns nicht gab, die erst nach der Entdeckung Amerikas zu uns gekommen sind. Zudem können neue Arten gerade im Klimawandel Chancen bieten. Insbesondere in Gebieten, die künftig von den Auswirkungen des Klimawandels stärker betroffen sein werden, bieten fremdländische Baumarten Möglichkeiten im Waldumbau.

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