Jagen mit Schalldämpfer

Foto: T. Dantl

PENG – fällt ein Schuss, ist das in der Regel nicht zu überhören. Am lautesten knallt es dabei nahe an den Ohren des Schützen. Ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko geht mit dem Knall einher, auch für Jäger. Aus diesem Grund ist es in Bayern nunmehr erlaubt, mit Schalldämpfer zu jagen. Was für Vor- und Nachteile das hat und was man als Jäger tun muss, um einen Schalldämpfer einsetzen zu können, erklärt uns Peter Stieglbauer von der Zentralen Jäger- und Falknerprüfungsbehörde am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Landshut.  

Die Jagd wird ein immer beliebteres Hobby: Die Anzahl der Prüflinge bei der Jägerprüfung in Bayern hat sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt. Die Jagd ist attraktiv – und beim Schuss nicht zu überhören. Großkalibrige Jagdwaffen erreichen einen Schalldruckpegel von bis zu 160 Dezibel. Beim Menschen sind im Bereich zwischen 120 und 140 Dezibel selbst bei nur kurzer Belastung Hörschäden zu erwarten. Bei Dauerbelastung ist Lärm bereits ab 85 Dezibel schädlich. Auf Dauer können durch den Schussknall in unmittelbarer Nähe der Ohren irreparable Schäden entstehen. Selbst wenn Jäger einen Gehörschutz verwenden, bleibt die akustische Belastung für das Umfeld. Die umfassendere Lösung: Der Jäger benutzt einen Schalldämpfer.
Das ist, nach entsprechender Genehmigung, in Bayern seit 2015 erlaubt. Damit hat Bayern als erstes Bundesland einen flächigen Einsatz ermöglicht, andere Bundesländer haben mittlerweile nachgezogen. In anderen EU-Staaten ist der Einsatz von Schalldämpfern bei der Jagd seit langem üblich, teilweise sogar vorgeschrieben. Möglicherweise kommt es auch in Deutschland zu einer bundesweiten Regelung.
Damit werden Jäger aber nicht zu Doppelnull-Agenten. Jagdliche Schalldämpfer verringern den Schussknall lediglich auf einen Wert, der nicht mehr gesundheitsschädlich ist. So leise, wie man das aus Filmen kennt, wird der Schuss dadurch nicht. Damit liegen auch aus kriminaltechnischer Sicht keine Gründe gegen die Verwendung von Schalldämpfern vor.
Die Vorteile des jagdlichen Schalldämpfers sind vielfältig: Er sorgt dafür, dass am Ohr des Schützen kaum noch hochgradig gesundheitsgefährdende Schalldruckpegel ankommen. Zudem wird auch das Gehör von Mitjägern, Treibern und den besonders empfindlichen Jagdhunden geschont. Anwohner und Erholungssuchende werden weniger belästigt. Hinzu kommt, dass der Rückschlag beim Schießen mit dem Schalldämpfer wesentlich geringer ist und das Mündungsfeuer geschluckt wird – der Jäger kann dann den Kugelschlag und das Zeichnen des Wildes besser verfolgen. Da man mit einer Waffe mit Schalldämpfer insgesamt immer etwas entspannter schießt, schießt der Jäger automatisch besser damit. Dieses Zubehör hat nur wenige Nachteile: Die Waffe wird mit ihm etwas länger und schwerer, damit auch etwas unhandlicher. Mit einer angepassten Lauflänge kann dieser Nachteil kompensiert werden, teilweise verbessert sich die Balance der Waffe dadurch sogar.
Die Handhabung des Schalldämpfers ist sehr einfach. Er kann an alle einläufigen Jagdwaffen montiert werden. Der Schalldämpfer wird mit einem Gewinde auf die Laufmündung aufgeschraubt, seltener gibt es auch Klemmsysteme. Das Gewinde schneidet ein Büchsenmacher in den Lauf, danach muss die Waffe zum Beschussamt. Die Waffe ist dann mit und ohne Schalldämpfer zu verwenden, wobei man die veränderte Trefferlage beachten muss. Das unbedingt am Schießstand ausprobieren! Man muss sich auch nicht für jede einzelne Waffe einen Schalldämpfer kaufen. Dieser ist für alle Waffen mit gleichem oder kleinerem Kaliber einsetzbar. Die Preise für einen brauchbaren Schalldämpfer liegen zwischen 200 und 600 Euro, hinzu kommen noch die Kosten von etwa 200 Euro für das Mündungsgewinde.
Wer in Bayern mit Schalldämpfer jagen möchte, muss zuerst einen Antrag bei der Unteren Jagdbehörde stellen, dass er aus Gründen des Gesundheitsschutzes mit Schalldämpfer jagen möchte. Hierfür sind weder ein ärztliches Attest noch eine ausführliche Begründung erforderlich. Mit der jagdrechtlichen Erlaubnis lässt sich der Jäger dann bei der Waffenbehörde einen Voreintrag in die Waffenbesitzkarte zum Erwerb eines Schalldämpfers geben. Die Genehmigung gilt unbefristet, allerdings nur in Bayern! Wer in anderen Bundesländern jagen will, muss vorher die dortigen Regelungen prüfen. Weitere Informationen dazu gibt´s im Wildtierportal Bayern.

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