Totholz

Totholz im Wald

Zum Totholz zählen sowohl Zweige und Äste als auch ganze Stämme (Foto: LWF).

Zweige, Äste, Stämme und manchmal gar ein ganzer Baum. In vielen Wäldern liegt totes Holz. Warum ist das so? Warum nutzen die Waldbesitzer dieses Holz nicht? Und welche Gründe gibt es dafür? Was es mit dem Totholz in unseren Wäldern auf sich hat weiß Dr. Heinz Bußler. Er ist Mitarbeiter der Abteilung Biodiversität, Naturschutz, Jagd der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft und klärt uns auf.

Schlendert man durch den Stadtpark, findet man keine morschen Holzstämme am Boden. Im Wald ist das anders. Hier liegen immer Zweige und Äste, aber auch Stammabschnitte oder gar ganze Bäume am Waldboden. Das Holz wird nicht genutzt, sondern verrottet. Mit Unordnung hat das aber nichts zu tun: Oftmals handelt es sich um Holz, das aufgrund seiner Dimension oder Qualität einen geringen wirtschaftlichen Wert besitzt. Viel größer ist hier der ökologische Wert. Stehendes oder liegendes Totholz steigert die Biodiversität. Es ist Lebensraum für zahlreiche Insekten und Pilze, aber auch für Vögel und Säugetiere. Totholz ist der Stoff für die Artenvielfalt – wahrscheinlich sind über 8.000 Pflanzen, Tiere und Pilze auf Totholz angewiesen. Unter den Tieren leben Baummarder, Siebenschläfer, Spechte, Eulen und Fledermäuse in Höhlen und Rindentaschen von Totholz. Viele Arten sind auf Totholz als „Kinderstube“ angewiesen – beispielsweise die Larven des Hirschkäfers. Im liegenden Totholz sind viele Insekten, Spinnen, Moose und Flechten beheimatet. Auch viele Amphibien wie Feuersalamander oder Erdkröte nutzen Totholz als Tagesversteck. .
Neben der Artenvielfalt hat Totholz noch weitere positive Eigenschaften: Das Holz zersetzt sich, es entsteht Humus und Nährstoffe und Spurenelemente werden freigesetzt, die die Bodenfruchtbarkeit verbessern. Außerdem erleichtert das Totholz die auflaufende Naturverjüngung. Das Totholz speichert Wasser und kann zusammen mit dem stehenden Bestand Erosion, Steinschlag und Lawinen mindern.
Oft haben Waldbesitzer Angst, dass sich Schädlinge wie Borkenkäfer in dem Totholz vermehren. Die gefährlichsten – Buchdrucker und Kupferstecher – besiedeln allerdings nur absterbende oder frisch abgestorbene Fichten. Diese müssen aus Waldschutzgründen aus dem Wald gebracht werden. Von älterem Totholz, das schon länger im Wald vorhanden ist, geht keine Gefahr mehr aus; es wird von den Borkenkäfern nicht mehr besiedelt. Im Totholz entwickeln sich auch die natürlichen Gegenspieler. Insgesamt wirkt die Artenvielfalt allgemein eher stabilisierend und verhindert, dass sich schädliche Insekten massenhaft vermehren.
Ein wichtiger Gesichtspunkt ist die Unfallgefahr: Morsche Äste und Stämme können umfallen und für Erholungssuchende aber vor allem auch bei der Waldarbeit eine Gefahr darstellen. Hier gilt es die Gefahr zu mindern. Totholz sollte abseits der Wege in sogenannten „Totholzinseln“ konzentriert werden. Das Forstpersonal muss auf das Totholz und dessen Gefahren hingewiesen und geschult werden. Wichtig ist auch, dass die Waldarbeiter sich bei ihrer Arbeit nicht unter Druck setzen und der Risiken immer bewusst sind.

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