Die Traubeneiche – Baum des Jahres 2014

Blätter der Traubeneiche

Die Traubeneiche ist der Baum des Jahres 2014 (Foto: C. Schwab).

Schon zu D-Mark-Zeiten war es auf den Geldstücken zu sehen, aber auch beim Euro ist es auf den kupfernen Cent-Münzen abgebildet: das Eichenlaub. Nicht jeder weiß, dass es verschiedene Eichenarten in Deutschland gibt. Eine davon – die Traubeneiche – ist der Baum des Jahres 2014. Mehr zu dieser faszinierenden Baumart erklärt uns Klaus Bernhart, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Karlstadt.

Der Spessart ist seit Jahrhunderten für seine Eichen bekannt. Es ist der Baum des Jahres 2014, der hier wächst, die Traubeneiche. Sie ist neben der Stieleiche die am meisten verbreitete Eichenart in Mitteleuropa. Der Name stammt von der Anordnung der Eicheln. Diese sitzen wie Trauben eng beieinander, während die Früchte der Stieleiche gestielt sind. Ganz anders dagegen die Blätter: hier hat die Traubeneiche längere, die Stieleiche recht kurze Stiele. Schwieriger ist die Unterscheidung an den Blattnerven. Diese reichen bei der Traubeneiche nicht bis in die Buchten der gelappten Blätter, entlang der Hauptnerven wachsen Büschelhaare.
Das Holz der Traubeneiche ist sehr begehrt. Vor allem das Kernholz, in dem fäulnishemmende Substanzen eingelagert sind, ist sehr dauerhaft. Daher kann es gut im Außenbereich verwendet werden. Die Traubeneiche liefert ein sehr schweres Holz mit sehr guten Festigkeitseigenschaften und einem hohen Abriebwiderstand. Es lässt sich gut spalten, gut sägen und sehr gut zu Furnier verarbeiten. Damit hat es einen breiten Verwendungsbereich. Die Traubeneiche ist im Innenausbau für Möbel, Fußböden oder Treppen geeignet, wird in Jachten oder Segelschiffen verbaut und seit Kurzem wieder für Fassholz nachgefragt, denn Gourmets schätzen den Weinausbau im Eichenfass. Der Barrique-Wein hat einen typischen Geschmack, der vom Eichenholz her rührt. Ähnliches gilt für Whisky oder Brandwein. Aus der Rinde junger Eichen lässt sich Gerbsäure für die Lederbearbeitung gewinnen, die auch als Naturheilmittel eingesetzt werden kann. Auch die Eicheln sind wertvoll, denn in Jahren mit in denen die Eichen sehr viele Früchte tragen – den sogenannten Mastjahren – schmeckt der Wildschweinschinken besonders gut.
Unsere heimischen Eichenarten haben auch eine ganz herausragende Bedeutung für die Biodiversität: So leben allein über 500 Insektenarten an ihnen. Einige davon können der Traubeneiche leider auch zu schaffen machen, vor allem Frostspanner, Eichenwickler, Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner. Mit einem zweiten Austrieb – dem sogenannten Johannistrieb – kann ein Kahlfraß  in Normaljahren ausgeglichen werden. Gefährlich wird es für die Traubeneiche nur dann, wenn Insektenkalamitäten mehrere Jahre hintereinander auftreten und zusätzliche Spätfrostschäden oder Pilzbefall, wie zum Beispiel der Eichenmehltau, die Bäume belasten. Der Mehltau überzieht die Blätter im Sommer mit einem schimmlig-grauen Pilzgeflecht. Die Blätter werden dann vorzeitig abgeworfen, der Baum kann weniger Reservestoffe für den Winter einlagern. Mit waldbaulichen Maßnahmen, insbesondere der Einbringung von Mischbaumarten, kann man diesen Stressfaktoren aber gezielt begegnen und der Traubeneiche helfen: Wärmeliebende Schmetterlingsarten wie auch der Prachtkäfer, der in den letzten Jahren zugenommen hat, fühlen sich dort nicht mehr so wohl und neigen weniger zu Massenvermehrungen.
Mit den geringeren Niederschlägen und höheren Temperaturen im Klimawandel kommt die Traubeneiche grundsätzlich besser zurecht als die meisten anderen Baumarten. Vor diesem Hintergrund zählt die Eiche als Baumart der Zukunft. Allerdings sollte sie nicht in Reinkultur sondern gemischt mit anderen Baumarten angebaut werden. Allerdings benötigt die Traubeneiche etwa 80 Jahre bis die ersten verwertbaren Sortimente geerntet werden können. Die höchsten Erträge lassen sich dann ab dem Alter 180 bis 200 Jahre erwarten. Daher ist die Lichtbaumart Traubeneiche insbesondere Waldbesitzern zu empfehlen, die ausreichend Fläche mit Lichtstellung haben und denen ein stabiler, zukunftsfähiger Wald ohne kurzfristige Erträge wichtig ist.

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