Wald wird Grenzen los

Grenzstein im Wald

Nicht alle Grenzen im Wald sind so offensichtlich gekennzeichnet wie hier (Foto: C. Schwab).

Ein Meter breit und zweihundert Meter lang – so oder so ähnlich erstrecken sich viele Waldflächen im Realteilungsgebiet. Eine Ausdehnung, die eine vernünftige und nachhaltige Bewirtschaftung unmöglich macht. Denn viele dieser Flächen haben auch keine Anbindung an eine Forststraße. Ein Weg, diese Strukturen anzupassen, bietet der sogenannte Freiwillige Waldtausch. Was das ist und wie er funktioniert erklärt uns Marc Koch, Mitarbeiter der Abteilung Waldbesitz, Beratung, Forstpolitik der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).

Waldflächen nehmen durch Vererbung oft neue Formen an. Im Realteilungsgebiet sind hier häufig „Handtücher“ entstanden, die sehr schmal, dafür aber enorm lang sind – eine Ausformung, durch die die Flächen immer schwieriger zu bewirtschaften sind. Oft sind die Parzellen auch mit einem Traktor nur noch schwer oder gar nicht mehr erreichbar. Der sogenannte freiwillige Waldtausch kann hier Abhilfe schaffen. Mit dem Verfahren können Eigentümer ihre in der Gemarkung verstreut liegenden Parzellen zusammenlegen und zu größeren, besser bewirtschaftbaren Einheiten formen.
Oft fehlt ein Wegeanschluss, oft sind die Grenzen unklar – die Waldbesitzer wissen nicht genau, wo ihre Parzelle anfängt oder aufhört. Das führt zu Grenzstreitigkeiten und schlechten Bewirtschaftungsverhältnissen. Daher wird das Angebot des Freiwilligen Waldtauschs von den Eigentümern in den letzten zehn Jahren immer häufiger genutzt, immer mehr Anträge auf Tauschverfahren gehen beim zuständigen Amt für Ländliche Entwicklung ein. Ist das Verfahren offiziell ausgewiesen, wird ein Tauschhelfer gestellt. Die Kosten werden übernommen, auch für die Grundbuchumschreibung.
Für den Tausch wird neben dem Bodenwert auch der vorhandene Baumbestand bewertet. Das kann Kosten im Bereich von 150,- bis 300,- € pro Hektar verursachen, die der Waldbesitzer übernehmen muss. Im Idealfall erhält der Waldbesitzer durch das Verfahren eine einzige Fläche mit einem Wegeanschluss und weniger Grenzlänge als vorher, das er damit besser bewirtschaften kann.
Hilfreich bei dem Verfahren ist ein von der LWF mit der TU München entwickeltes Computerprogramm. Es ermöglicht den tauschwilligen Eigentümern, die Lage der Grundstücke in der Flurkarte als eingefärbte Einzelparzellen zu betrachten. Tauschsituationen können simuliert, die dabei neu entstehenden Flächen sofort farblich dargestellt werden. Der Waldbesitzer erfährt, wie sich die Flächengröße und – sofern der Wert der vorhandenen Grundstücke hinterlegt ist – der Flächenwert verändern. Hieraus lässt sich ein optimaler Tauschplan entwickeln, mit dem beim Amt für Ländliche Entwicklung das Verfahren beschleunigt werden kann.
Informationen zum Freiwilligen Waldtausch erteilen die Revierleiter am zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten oder auch die BBV-LandSiedlung, von denen die erfahrenen Tauschhelfer gestellt werden. Schwerpunktbereich ist Unterfranken, aber auch in den übrigen Regierungsbezirken ist der Freiwillige Waldtausch möglich.

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