Die Winterlinde – Baum des Jahres 2016

Fotos: G. Aas, M. Grimm, D. Grosser

Die Linde wurde schon von den Nordgermanen als heiliger Baum verehrt. Die kann bis zu 1.000 Jahre alt werden und gehört seit Jahrhunderten zum prägenden Landschafts- und Dorfbild. Die Winterlinde wurde zum Baum des Jahres 2016 gekürt. Was die Winterlinde besonders macht und wie man sie von der Sommerlinde am besten unterscheidet, erklärt uns Stefan Tretter. Er ist Leiter der Abteilung Waldbau und Bergwald an der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.  

Beide Lindenarten – Winterlinde und Sommerlinde – besitzen herzförmige Blätter. Unterschiede gibt es aber in deren Behaarung: Während die Sommerlinde in der Regel eine behaarte Blattoberfläche besitzt, hat die Winterlinde eine glatte Blattoberfläche mit nur einzelnen Haaren. Auf der Blattunterseite ist die Behaarung in den Blattachseln bei der Winterlinde rostbräunlich, bei der Sommerlinde dagegen weißlich. Zudem sind die Blätter der Winterlinde kleiner. Auch bei den Früchten gibt es Unterschiede: Die der Winterlinde sind vergleichsweise leicht zerdrückbar und kaum gerippt.
Die Winterlinde ist eine Halbschattbaumart. Sie bevorzugt nährstoffreiche, mittel- bis tiefgründige, lockere und mineralstoffreiche Böden. Sie ist frost- und dürreresistenter als die Sommerlinde und dient in der Eichenwirtschaft oft als Schattbaumart. Auf besonders guten Standorten wird die Winterlinde natürlicherweise von der Buche verdrängt, die dort konkurrenzkräftiger ist. Für die Winterlinde sind Jahresdurchschnittstemperaturen von acht bis neun Grad und Niederschläge bis zu 1.800 Millimeter optimal. Die Winterlinde kommt vom gemäßigt subatlantischen bis ins subkontinentale Klima vor, hat eine klimatisch recht große Amplitude. Im Gebirge wächst die Winterlinde im Gegensatz zur Sommerlinde nicht oberhalb mittlerer Lagen.
Die Verwendung der Winterlinde war schon immer recht vielfältig: Aus ihren Zweigen lassen sich Matten und Körbe flechten, aber auch Seile. Die Linde ist das klassischen „Schnitzholz“. Das zerstreutporige Holz ist recht gleichmäßig gefärbt zudem sehr weich und dadurch leicht zu bearbeiten – ideal zum Schnitzen. Viele Bildhauereien aus dem Barock und der Renaissance sind aus Winterlinde gefertigt, beispielsweise Heiligenfiguren und Altäre von Tillmann Riemenschneider. Das Holz lässt sich nicht nur gut bearbeiten, sondern auch gut färben und dient besonders für Kinderspielzeug oder Zeichenkohle, aber auch für Bleistifthüllen und Holzwolle. Und bei Drechslern ist es sehr beliebt. Gut getrocknet ist das Lindenholz sehr formstabil. Es kann gut eingesetzt werden für Rahmen, Spindeln, Werkzeugbau oder früher in der Wagnerei. Der Lindenblütentee ist das klassische Hausmittel gegen Grippe. Er wirkt schweißtreibend, schleimlösend und krampfstillend. Durch den späten Blühzeitpunkt ist die Winterlinde eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten, darunter auch die Honigbiene. Die liefert uns den Lindenblütenhonig.
In Zentraleuropa ist die Linde kulturhistorisch bedeutend. Das lässt sich heute noch an vielen Ortsnamen erkennen. Die Linde steckt beispielsweise in Lindau, Linz oder Leipzig. In diesen und anderen Orten diente die Linde als Tanzlinde bei Dorffeiern, als Gerichtsbaum an Hochgerichtsplätzen oder als Hauslinde vor Bauernhöfen.
Forstwirtschaftlich wird die Linde auch in Zukunft nur eine Randerscheinung bleiben. Dennoch sollten getreu dem Motto „Wer streut rutscht nicht!“ möglichst viele Baumarten am Waldaufbau beteiligt werden, dabei auch – heute wie künftig – die Winterlinde.

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